Xavier

 

 

Eigentlich wollte ich nie Katzen haben, denn ich fand sie irgendwie unberechenbar. Das waren zumindest die Katzen, die ich bis dahin kannte. In einem Augenblick spielten sie mit dir und im anderen bekam man eine gewischt. Nee, das war nicht wirklich mein Fall.

Als mein Wunsch nach einem Haustier immer größer wurde und ich dann zufällig ein Bild von einer braunen Oriantalisch Kurzhaar Katze in einem Buch sah, war mein Interesse geweckt. Ich informierte mich ausgiebig über diese Rasse und dann stand mein Enschluß fest: wenn eine Katze, dann eine Orientale. Die OKH Katzen wurden als gesellige, lebhafte, freundliche und vor allem anhängliche Katzen beschrieben, die man nicht alleine halten sollte. Das einzige was mich an der Beschreibung etwas störte, war die überall erwähnte laute Stimme.

Ich kontaktierte diverse Züchter bis ich auf einen stieß, der noch ein braunes OKH Kätzchen abzugeben hatte. Die zweite sollte eine schwarze OKH sein. Da der Züchter nicht gerade um die Ecke wohnte, konnte ich erst eine Woche später zu ihm fahren. Ich ließ mir beide Katzen reservieren und fieberte dem Wochenende entgegen.

Eine Woche später bin ich mit meiner Freundin den langen Weg von Hamburg nach Erzhausen bei Frankfurt gefahren. Den Augenblick als wir die Wohnung des Züchters betraten, werde ich nie vergessen. Plötzlich waren wir von einer Meute winziger Kätzchen umgeben, die zwischen unseren Füßen wuselten. Eine war niedlicher als die andere!

Dann zeigte mir der Züchter meine beiden Orientalen. Von der braunen war ich sofort begeistert, aber die schwarze gefiel mir nicht ganz so sehr. Ich nahm sie auf den Schoß und sie haute sofort ab. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch schon von zwei anderen Kätzchen gefesselt. Es waren zwei Siamkater, deren stechend blaue Augen mich sofort faszinierten. Zu meinem Glück war einer der beiden noch frei, aber ich zögerte etwas. Bei der ersten Untersuchung wurden bei ihm nämlich  Herzgeräusche festgestellt. Der Züchter meinte aber, dass solche Herzgeräusche in den meisten Fällen mit dem Wachstum verschwinden würden und wenn nicht, dann müsste er allenfalls Herztabletten bekommen. Er machte auch überhupt keinen kranken Eindruck. Er war sehr agil und spielte mit einem Laubblatt. Immer wieder sprang er es an und versuchte es mit den Pfötchen hochzuwirbeln. In diesem Augenblick wusste ich, dass ich das Risiko eingehen würde und entschied mich für den kleinen Siamkater.

Doch bereits auf der Rückfahrt bekam ich Zweifel, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Wir sind noch keine 100m gefahren als der Siam füchterlich zu quaken anfing. Es war ein lautes, aufdringliches Quaken und er hörte damit nicht auf. Als wir gegen Mitternacht in Hamburg ankamen, war ich nach 6 Stunden Gequake ein nervliches Wrack und bereute ihn mitgenommen zu haben. Ich hatte Angst, dass er alle Nachbarn aufwecken würde.

Doch meine Angst war unbegründet. Als ich die beiden in der Wohnung frei ließ, verstummte das Quaken und sie fingen an die Wohnung zu erkunden. Nach einer Weile sind sie dann zusammen kuschelnd eingeschlafen. Aber nicht in dem für sie vorgesehenen Körbchen. Nein, sie schliefen auf meinem Videorecorder ein! Warum sie sich dafür ausgerechnet den Videorecorder aussuchten ist für mich bis heute ein Rätsel.

Am nächsten Morgen dann der nächste Schock.  Xavi machte einen Haufen auf meine Bettdecke. Ich rief sofort den Züchter an, der mir sagte, dass er wohl seine Grenzen austesten würde. Ich sollte ihn richtig ausschimpfen, wenn ich ihn dabei erwischen würde. Das ist dann auch geschehen und seitdem war er der liebste Kater der Welt.

Leider gab es zu dieser Zeit noch keine Digitalkameras und ich hatte auch keinen super guten Fotoapparat. Deswegen gibt es nicht allzu viele Bilder aus dieser Zeit.

 

Mit ihren Riesenohren sahen sie einfach nur niedlich aus:


 

Im Laufe des Jahres haben sie sich zu wunderschönen Katzen entwickelt und sie waren unzetrennlich.

 

Xavi hatte einen leichten Silberblick, über den sich viele lustig machten. Ich aber fand ihn wunderschön und gerade dieser Blick machte ihn so liebenswert.

 

Hier ist das berühmte Verbrecherfoto:

Wir haben es so genannt, weil es uns an Fotos erinnert, die die Polizei von festgenommenen Leuten macht. Es fehlt nur eine Nummer und rechts die Meßlatte für die Größe ;)

 

Je älter Xavi wurde, desto dunkler wurde sein Fell. Wir nannten ihn liebevoll Schwarzgesicht.

 

Xavi hatte einen einmaligen Charakter. Er wollte überall dabei sein und er kommentierte alles. An die Stimme, vor der ich am Anfang Angst hatte, habe ich mich schnell gewöhnt. Er redete sehr viel. Man brauchte nur seinen Namen zu erwähnen und schon antwortete er mit einem lauten Quaken. Sobald man ihn berührte fing er zu schnurren an. Tierärzte hatten große Mühe ihn abzuhören, weil er sofort zu schnurren anfing. Dabei brummte er so laut, dass alle lachen mussten.

 

Er liebte es mit am Frühstückstisch zu sitzen, denn meistens, um ehrlich zu sein eigentlich immer, bekam er auch etwas ab. Er war nämlich ein Bettelkönig, den man nicht ignorieren konnte. Er setzte sich immer daneben und schnurrte ganz laut. Wenn man ihn nicht beachtete, dann boxte er einen mit seinem Kopf in den Arm. Es ist häufiger vorgekommen, dass er gerade dann boxte, wenn man seine Kaffeetasse hochgenommen hat. Wie das ausging kann sich ja jeder vorstellen. Am verücktesten war er übrigens nach Berlinern und nach Grillhähnchen.

Er wollte immer im Mittelpunkt stehen. Wenn ich am Computer saß, spazierte er schnurrend vor dem Monitor herum. Einmal ist es  sogar vorgekommen, dass er über die Tastatur lief und mir dabei eine email löschte, an der ich eine halbe Stunde gesessen habe. Ich konnte ihm aber nicht lange böse sein, weil er mich dann mit seinen zugenkiffenen Augen anguckte und laut vor sich hinbrummte.


 

 

Am liebsten schlief er in seiner geliebten blauen Mulde, in den unmöglichsten Posen:


 

 

Aber auch die Fensterbank in unserer alten Wohnung war sehr begehrt, weil es dort immer schön warm und sonnig war:


 

 

Xavi liebte es, irgendwo reinzukrabbeln: in eine Einkaufstüte oder  einen Einkaufskorb.  Er zwängte sich sogar  in den kleinsten Karton rein. Und auch der Badezimmerschrank mit den kuscheligen Handtüchern war vor den beiden Miezen nicht sicher.



 

 

Eins seiner Lieblingsspiele war, sich vor Isis zu verstecken um sie dann aus dem Hinterhalt zu überfallen. Er versteckte sich unter Decken und Papiertüchern. Oft war er dabei noch zu sehen, aber das störte ihn gar nicht. Er dachte wohl, dass man ihn nicht sehen konnte:


 

 

Und er liebte es auf dem Bügeltisch gekrabbelt zu werden:

 

 

Xavi, ich habe es nicht bereut, dass ich mich für dich entschieden habe!